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+ 43 - 34 | Erschütterndes Seebeben

Publiziert am 13 Jan '05 - um 00:00 unter den Stichworten: Medien, Wissenschaft
Das Seebeben im indischen Ozean hat Menschen getötet und riesige Zerstörungen angerichtet. Erschüttert hat es damit nicht nur die Weltöffentlichkeit, sondern - so Astronomen der Universität Bern - gar unser Planetensystem. Eine «wissenschaftliche Randnotiz» oder gar eine «Irreführung»?


Am 29. Dezember 2004, nur drei Tage nach dem Seebeben in Südasien, meldete das Astronomische Institut der Universität Bern:

«Das schwere Seebeben im Indischen Ozean hat die Erdachse um etwa 8 Zentimeter verschoben». Eine erste Auswertung der Daten habe gezeigt, dass das Seebeben die Position der Erdachse gegenüber ihrer Sollposition um rund 8 Zentimeter verschoben hätte. Seit Beginn der routinemässigen Überwachung der Erdrotation mit Satelliten im Jahr 1992 sei dies vermutlich die grösste Verschiebung, die einem einzelnen Ereignis zugeschrieben werden könne.

Die Forscher aus Bern relativierten ihre Erkenntnisse allerdings gleich selbst:

«Infolge Massenumlagerungen im Erdinnern sowie in Ozeanen und in der Erdatmosphäre verändert sich die Lage der Erdachse dauernd. Als Folge verschieben sich Nord- und Südpol um bis zu 10 Zentimeter pro Tag innerhalb eines Umkreises mit einem Durchmesser von etwa 15 Metern."

Für die NZZ stellt sich damit die Frage, «was denn [an der berichteten Verschiebung] überhaupt aussergewöhnlich sein». Ja, es handle sich gar - so der Titel des Artikels vom 12. Januar 2005 - um eine «irreführende Meldung». Die Welt sei nämlich gar «nicht aus den Fugen». In der Tat hätten «Nachfragen» (bei wem?) ergeben, «dass es sich mehr um eine wissenschaftliche Randnotiz denn um eine für die Allgemeinheit relevante Neuigkeit» gehandelt habe.

Eine weitere wissenschaftiche Randnotiz vermeldet der Online-Ableger des renomierten Nature: Forscher der NASA hätten berechnet, dass die Erde sich seit dem Beben schneller drehe. Die Tageslänge habe sich um drei Millionstel Sekunden verkürzt.

Weder Achsenverschiebung noch Beschleunigung haben Folgen, darin sind sich Forscher und Kommentatoren einig. Warum also überhaupt darüber berichten? Was auf den ersten Blick lächerlich scheint, ja sogar wie eine (unabsichtliche) Irreführung wahrgenommen wurde, ist ein starkes Bild: Die Katastrophe übersteigt alle irdischen Massstäbe, ist von kosmischen Dimensionen. Erschüttert ist nicht die Menschheit allein, sondern das ganze Planetensystem. Ganz ähnliche auch der Versuch, das Ausmass der Katastrophe mit Satellitenbildern zu erfassen.


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