Immer öfter versuchen Medien Ereignisse mit Hilfe von
Satellitenbildern fassbar zu machen. Jüngstes Beispiel sind die
Überschwemmungen und Zerstörungen nach dem Wirbelsturm Katrina, die es
auf die Frontseiten von Zeitungen geschaft haben oder in Web-Sepcials
wie jenes der New York Times aufbereitet wurden. An sich ist die
Verwendung diese Bilder erstaunlich, sind doch kaum Menschen erkennbar
und auch die Schäden muss man durchaus eine Weile suchen, wo sie nicht mit Pfeilen und Punktlinien erklärt (pdf, 2.3MB) werden.
Luftbilder - aus geringerer Distanz und schrägem Winkel - findet man
dagegen schon seit langem bei der Berichterstattung von Katastrophen,
so auch nach Katrina: am 31. August 05 gibt es kaum eine Zeitung, die
kein Luftbild New Orleans auf der Titelseite hat.
Doch zurück zu den Satellitenbildern. Was macht sie so anziehend? Eine
Rolle spielt sicher die Tatsache, dass sie die kosmische Dimension der
Katastrophe betonen: sogar vom Weltall aus ist sie zu sehen. Der zweite
wichtige Punkt scheint mir die ostentative Objektivität der
Satellitenbilder. Hier hat kein Kameramann mitgelitten, dramatisiert,
inszeniert. Vielmehr kontrastiert die mechanische Präzision der Bilder
mit dem nur im Kopf des Betrachters ahnbaren Ausmass der Verzweiflung.
Doch die Objektivität ist möglicherweise eine vordergründige. Während
die Präzision und der Detaillreichtum der Bilder einladen, alles ganz
genau zu studieren, werden die Mechanismen, die Verantwortung, welche
hinter den Phänomenen stehen übergangen. Die NYT versucht dem zwar
entgegenzuwirken, indem sie eine Karte
präsentiert, auf der man Höhe über Meer, Bevölkerungsdichte, Anteil der
farbigen Bevölkerung und Haushaltseinkommen auf verschiedenen Layern
einblenden kann. Aber auch diese Grössen können nicht viel mehr als
Betroffenheit hervorrufen.
An diese Stelle passt ein Zitat
des italienischen Urbanisten Stefano Boeri, der sich - allerdings in
ganz anderem Kontext - über die Arroganz äussert, die dem Blick vom
Zenit herab innewohnt:
This breathless concern with description [...] has often remained the prisoner of an old rule of discourse: zenith morphology, where meaning ist attributed only to those figures that express themselves in a complete form and with a visible, two-dimensional surface. It also requires considerable "distancing" between observer and territory, as if this "stepping back" were a necessary condition for the knowledge of territorial phenomena, and therby reducing the observer's subjectivity to an impersonal entity, which is outside his/her field of observation.Boeri spricht hier freilich nicht davon, wie Naturkatastrophen verstanden werden können, sondern von der chaotischen Entwicklung peri-urbaner Territorien in Europa (Eclectic Atlases in: USE - uncertain states of europe) - was freilich auch eine Art Katastrophe ist.