Gemeint war Streets Aussage nicht als freundliche Einladung an die Telekommunikationsbranche, in Philadelphia aktiv zu werden. Die Stadt will das Zepter vielmehr selbst in die Hand nehmen, und auf dem rund 350 Quadratkilometer grossen Stadtgebiet den flächedeckenden Breitband-Zugang per Funkt anbieten.
Kein Wunder, ist die Telekommunikations-Industrie wenig erbaut. «Ist es etwa fair, wenn die Industrie mit den Steuern, die sie zahlt, ein Netzwerk finanziert, das ihr Konkurrenz macht?», fragt David L. Cohen, Vize der in Philadelphia ansässigen Comcast gegenüber der New York Times vom 17.02.2005.
In der Tat erstaunt es, wenn ausgerechnet in den USA die öffentliche Hand bei der Versorgung mit Telekommunikations-Infrastrukur mitbietet - gehören doch Entbündelung und Privatisierung dieser Dienste gewissermassen zur neoliberalen Doktrin.
Der Gegentrend hat auch kleinere, abgelegenen Gemeinden erfasst. So konnte etwa die Kleinstadt Scottsburg in Indiana mit ihren 6000 Einwohnern keinen Investor für ein schätzungsweise 5 Millionen Dollar teures Breitbandnetz finden. Da ergriff die Gemeinde die Initiative und richtete für 385'000 Dollar ein Breitband-Funknetz für das gesamte County ein, wie die NYT schreibt.
Ob der gleiche Schritt auch in Philadelphia mit seinen 1.5 Millionen Einwohnern gelingt, ist hingegen unsicher. Während die Kostenschätzungen für den Betrieb des flächendeckenden Breitband-Funknetzes mit rund einem Dollar pro Jahr und Einwohner bescheiden sind, ist der Widerstand der Telekomm-Lobby massiv. So wurden bereits in mehreren Staaten Gesetzesentwürfe eingereicht, die den Gemeinden verbieten sollen, Telekommunkationsdienste anzubieten.
Von ihren finanziellen Interessen abgesehen führt die Telekomm-Branche das Argument ins Feld, der einzige Garant für eine hohe Servicequalität sei Konkurrenz zwischen privaten Anbietern. Warum also ein staatliches Infrastruktur-Monopol, wo doch der freie Markt spielen könnte? Dass dies in abgelegenen Gegenden nicht funktioniert zeigt das Beispiel Scottsburg. Warum aber ausgerechnet in der Millionenstadt Philadelphia?
Das Beispiel des People's Emergency Center in West Philadelphia zeigt, wozu Internet für alle gut ist: Eine 32-jährige obdachlose Frau, Mutter zweier Kinder, hat von der Sozialhilfeorganisation einen aufgemotzten alten Computer bekommen. Dank drahtlosem Breitband-Anschluss konnte die Frau per Internet Zeichensprache lernen, um mit ihrer zweijährigen taubstummen Tochter zu sprechen, wie die NYT schreibt.
Das Beispiel illustriert, wie der digitale Graben zwischen Arm und Reich dank öffentlichem Breitband-Funknetz überwunden wird (und zwar so gut, dass man schon fast Mühe bekommt, die Geschichte zu glauben): Die Familie ist obdachlos, ergo braucht sie einen drahtlosen Anschluss. Für die Sozialhilfe-Empfängerin muss der Dienst günstig oder gratis sein, was er nur mit staatlichen Subventionen zu haben ist. Breitband muss der Anschluss sein, weil das Lernen der Zeichensprache ohne schwere Bilder und Animationen nicht auskommt - so zum Beispiel in diesem Wörterbuch.