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+ 24 - 32 | Hobbits mit Grapefruit grossen Schädeln jagten Mini-Elefanten

Publiziert am 29 Okt '04 - um 22:03 unter den Stichworten: Wissenschaft
"Eine neue menschenähnliche Art - ein verblichener Verwandter, der vor nur gerade 18'000 Jahren in Gesellschaft von Zwergelefanten und Riesenechsen lebte - ist in Indonesien entdeckt worden". Mit diesen Worten kündet Rex Dalton, Redaktor der britischen Wissenschaftszeitschrift Nature die sensationelle Entdeckung eines australisch-indonesischen Forscherteams an.


Weiter geht die Geschichte so:
"Knochenreste zeigen, dass die Hominiden - von einigen ihrer Entdecker 'hobbits' genannt - nur einen Meter gross waren und ein Gehirn hatten, das ein drittel so gross war wie das eines modernen Menschen [...]. "
Interessant zu vergleichen, wie die Geschichte auf der Titelseite angeteasert war:
"Forscher fanden bisher die Überreste von acht Individuen, die nur gerade einen Meter gross waren, mit Schädeln von der Grösse einer Grapefruit. Diese erstaunlich kleinen Leute - scherzhaft "Hobbits" genannt - stellten Werkzeuge her, jagten Mini-Elefanten und lebten zu einer Zeit, als moderne Menschen die Gegend besiedelten."
Der Vergleich mit einer Grapefruit war offenbar schlagend. Der Spiegel etwa schreibt:
"Die Dame war etwa einen Meter groß, ihr Kopf hatte die Größe einer Grapefruit. Sie und ihre Verwandten lebten von der Jagd: Miniaturausgaben des Urzeit-Elephanten Stegodon standen auf dem Speiseplan, Fledermäuse, Vögel - und gelegentlich möglicherweise ein Drache."
Nicht gut genug war das Bild offenbar für Science:
"Die Forscher entdeckten den Schädel und das Skelett eines erwachsenen weiblichen Individuums mit der Hirngrösse eines kleinen Schimpansen".
Die Forscher selbst hatten geschrieben:
"Wir berichten die Entdeckung eines erwachsenen Homininen aus dem späten Pleistozän von Flores, Indonesien, mit einer Statur von ungfähren 1 m und einem Schädelvolumen von 380 cm3 - gleich wie jenes der kleinsten bekannten Australopithecus."
Das Klischee einer kolonialen, verwunschenen, Welt mit Jahrmarkt- und Schausteller-Elementen hat grosse Anziehungskraft. Kein Wunder konnte es sich in den berichtenden Medien gut durchsetzen. Schon das Communiqué der australischen Universität von Neu England, zu der die Hauptautoren des Artikels gehören, stösst in diese Richtung und titelt "Skelett enthüllt verlorene Welt der kleinen Leute".

Die Phantasie wird weiter beflügelt durch Geschichten von kleinen, in Höhlen hausenden Leuten, die in Flores erzählt werden. "Die Idee, dass sie immer noch in Flores lebten, als die Holländer im 16. Jahrhundert ankamen ist nicht völlig abwegig", meint Professor Richard Bert Roberts, der die gefundenen Knochen auf ein Alter von 13'000 Jahren datiert hat. Sie stammen aus einer Höhle.

Heissen tut der neue Verwandte übrigens Homo floresiensis.

Update vom 28. November 2004: Es gibt offenbar verbreitete Skepsis gegenüber der Entdeckung.

Update vom 12. Juni 2005: Die Diskussion geht weiter, angeheizt von der Entdeckung einer kleinwüchsigen Dorfgemeinschaft weniger als 1 Kilometer vom Fundort entfernt.

Kommentare

Doch, doch, ich glaube an Hobbits. Meine Nachbarin ist knapp einen Meter gross, sieht kleine weisse Elefanten und hat ein Schimpansengehirn. Soll ich ihr eine Grapefruit vor die Türe legen.

Abgeschickt von rolf keller am 13 Juni 2008 - 11:09

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